Erfahrungsbericht über die 57. IMO in Hongkong

Am Anfang der 57. Internationalen Mathematik Olympiade in Hongkong stand ein beschwerlicher 12-Stunden-Flug. Die sechs deutschen Teilnehmer und die beiden Leiter trafen sich zuvor am Flughafen in Frankfurt. Wir kannten uns schon von den zuvor stattgefundenen Qualifikationsseminaren. Daher war die Stimmung zwischen uns während der ganzen Olympiade sehr gut und wir verbrachten die meiste Zeit gemeinsam.

Am Flughafen angekommen musste ich (leider) eine für mich neue Erfahrung machen: Die Fluggesellschaft hatte mein Gepäck in Frankfurt vergessen: 24 Stunden Wartezeit für meinen Koffer. In der ersten Nacht schliefen wir in einem Hotel und verbrachten die Zeit hauptsächlich damit, zwanghaft wachzubleiben, um den Jetlag entgegenzusteuern und uns an das Klima zu gewöhnen (35°C bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit). Für mich, dank fehlendem Koffer noch mit langer Hose, war vor allem das zweite eine große Herausforderung. Erst am zweiten Tag (nun mit neuen Klamotten) fuhren wir auf den Uni-Campus.

Der offizielle Teil der Olympiade begann zunächst mit zwei weiteren freien Tagen, um sich an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Uns wurde ein Guide zur Seite gestellt, eine einheimische Studentin, die unsere Ansprechpartnerin für die gesamte Zeit war. Während der Olympiade konnten wir uns zudem mit Teilnehmern aus anderen Ländern auszutauschen. Wir freundeten uns so mit Teilnehmer aus Tschechien, Frankreich, Großbritannien oder auch Israel an. Insgesamt nahmen über 600 Schülerinnen und Schüler aus 109 Ländern teil.

Erst am dritten und vierten Tag schrieben wir morgens die Klausuren. In beiden Klausuren bekamen wir 4 ½ Stunden Zeit, um drei Aufgaben zu lösen. Der erste Tag lief erstaunlich gut, nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen deutschen Teilnehmer. Wir alle lösten zwei der drei Aufgaben. Leider gelang es mir und den meisten anderen deutschen Teilnehmern am zweiten Tag nur eine Aufgabe zu lösen. Bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse mussten wir uns jedoch zwei weitere Tage gedulden. So lange dauert das Korrekturverfahren. Die Aufgaben wurden zunächst von unseren Teamleitern korrigiert und ein Punktevorschlag gegeben. Dieser wird anschließend einer unabhängigen Aufgabenkoordination vorgelegt. In Streitfällen können zudem höhere Instanzen einberufen werden.

In diesen zwei Tagen fanden Exkursionen statt. Am ersten Tag besuchten wir einen Markt und anschließend einen Berg (oder mehr Hügel), von dessen Gipfel man eine hervorragende Sicht auf Hongkong besitzt. Am zweiten Tag ging es nach Disneyland. Meiner Meinung nach eher weniger spannend (deshalb fährt man ja nicht nach Hongkong...). Anschließend wurden die Ergebnisse veröffentlicht: Ich bekam mit 19 von 42 Punkten eine Bronze-Medaille. Mit drei Bronze- und drei Silbermedaillen erreichte das deutsche Team zudem die zweitbeste Platzierung der letzten fünf Jahre (ausführliche Ergebnisse auf der offiziellen Seite der IMO). Am nächsten Morgen fand die offizielle Preisverleihung statt. Dies symbolisierte gleichzeitig das Ende der 57. Internationalen Mathematik Olympiade. Da unser Flug aber erst in der Nacht losging, nutzten wir den Tag, um die Innenstadt von Hongkong zu besichtigen. Hongkong ist sehr beeindruckend. Beinahe jedes Gebäude, auch weit abseits des Zentrums, ist ein Wolkenkratzer. Hinzu kommt die für uns fremde Kultur. Wir schlenderten viel über Märkte und ließen die Eindrücke auf uns wirken.

Insgesamt war die Internationale Mathematik Olympiade für mich ein sehr schönes Erlebnis. Neben der Medaille, die ich erringen konnte, hatte ich die Möglichkeit mit Honkong eine der größten Metropolen der Welt zu besuchen. 2017 findet die nächste Olympiade in Rio de Janeiro, Brasilien statt. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mich auch hierfür wieder zu qualifizieren.