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29.8.2016 : 14:50

Presseinformation

10.02.2016

Ein Her(t)z für Flüchtlinge

Auf der Wochenendfahrt der Schülervertretung des Heinrich-Hertz-Gymnasium Anfang Dezember 2015 beschlossen die Schülerinnen und Schüler sich im Rahmen eines Projektes für Kinder und Jugendliche in Flüchtlingsheimen zu engagieren. Ziel des Projektes ist die Teilnahme von Flüchtlingskindern und -jugendlichen am Freizeitangebot der Schule. Das Heinrich-Hertz-Gymnasium, als Schule mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Profil, verfügt über ein vielfältiges Angebot von Arbeitsgemeinschaften. So ist die Teilnahme an der Chemie-Arbeitsgemeinschaft in Vorbereitung. Weitere Angebote sollen folgen.

Die Schülerinnen und Schüler haben inzwischen Kontakt zu Flüchtlingsheimen im Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg aufgenommen. Dem Vorhaben stand man in den Flüchtlingsheimen aufgeschlossen gegenüber. Auf Grund der sprachlichen Barrieren ist die Kontaktaufnahme mit den Flüchtlingen nicht einfach. Über mitgebrachte Spiele konnte das Eis gebrochen werden. Die Flüchtlinge sind dankbar über jede Abwechslung in ihrem Alltag.

Die Konfrontation mit der Realität eines Lebens im Flüchtlingsheim war eine weitere Herausforderung und motiviert die Hertz-Schüler weiter in ihrem Engagement ein Her(t)z für Flüchtlinge zu zeigen.

 

Persönlicher Bericht von Lennard Kunst, Schüler Klasse 11 am Heinrich-Hertz-Gymnasium:
Obwohl es für mich schon der dritte Besuch in der Notunterkunft war, schockierte mich auch diesmal wieder, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben. Wenn man die Turnhalle von der Seite aus betritt, gibt es einen durch Pappwände abgegrenzten Gang zum offenen Bereich, der eine Ecke der Turnhalle einnimmt. Dort stehen einige Sofas und viele Biergartentische und -bänke, an denen diese Menschen ihre Zeit totschlagen müssen. Arbeiten oder die Zeit sinnvoll nutzen dürfen sie ja nicht. In der Ecke des offenen Raumes ist die Essenausgabe zu sehen, ebenfalls improvisiert auf Klapptischen, doch sie ist zurzeit geschlossen. Am Gang gibt es Durchgänge, in denen ein Vorhang die Sicht versperrt. Geht jemand hinein oder hinaus, erblickt man einen kurzen Moment lang lange Reihen aus Doppelstockbetten mit nur 2 Metern Abstand dazwischen. Dieser kurze Moment reicht, um zu erkennen: Privatsphäre gibt es hier nicht. Nach einem kurzen Gespräch mit der Heimleitung setzen wir uns an die Tische, jeweils 3-4 Leute pro Tisch, um offene Plätze zu signalisieren. Ein älterer Mann sieht das Backgammonbrett vor mir und fragt mich mit Händen und Füßen, ob wir spielen möchten. Er spricht kein Wort Deutsch, ich bekomme nur mit, dass er Kurde ist, ob aus der Türkei, dem Iran oder Syrien oder woanders her, bleibt unklar. Ich verliere haushoch...

Am Nebentisch hat sich ein ca. 20-jähriger Syrer hingesetzt, es wird diskutiert, welches Kartenspiel gespielt werden soll. Er spricht gebrochenes Englisch, er hat es sich mit einem Wörterbuch beigebracht, sagt er. An diesem Tisch wird viel gelacht und sich gegenseitig neue Kartenspiele beigebracht. Die ersten Kinder kommen zu uns, ich spiele Schach - ohne Regeln gegen einen vielleicht 10jährigen Jungen, er kann schon auf Deutsch bis 10 zählen und ist stolz darauf. Auch wir lachen viel. Wieder einen Tisch weiter haben sich zwei 16- und ein 18jähriger hingesetzt, sie haben sich Englisch mit Hilfe von Fernsehen und Internet beigebracht. Einer von ihnen ist besonders an Chemie interessiert, ein Chemie-AG-Teilnehmer von uns schlägt ihm vor, vielleicht in der Zukunft zu unserer Chemie-AG zu kommen. Die anderen zwei finden Volleyball toll, auch hier wird über Möglichkeiten an unserer Schule geredet. Gegen 17:30 Uhr füllt sich der Bereich, die Essenausgabe öffnet. Wir verabschieden uns und gehen, um Platz frei zu machen. Ich denke, es war für jeden beteiligten Schüler eine sehr ungewöhnliche Erfahrung, die er hier gemacht hat. Aber keineswegs eine schlechte. Ich werde von mehreren Leuten gefragt, wann man denn erneut hergehen könne, wir einigen uns auf einen Termin nach den Winterferien. Mich hat dieser Nachmittag nachdenklich gemacht über unser so normal scheinendes Leben, und über Prioritäten, die man in diesem Leben setzt.

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